Montag, 6. April 2015

Interview mit Akram El-Bahay, dem Autor meines Fantasyhighlights vom letzten Jahr - Flammenwüste!

"Die Gerüchte verbreiten sich wie ein Lauffeuer durch das Wüstenreich Nabija: Ein Drache soll Karawansereien und Dörfer niederbrennen!"

Liebe Leser,

wie schon vor Kurzem angekündigt, hatte ich auf der Leipziger Buchmesse die tolle Gelegenheit, den Autor Akram El-Bahay zu treffen!
Akram El-Bahay ist Biologe, Journalist und seit einiger Zeit auch Autor. Eines Tages schlug ihm seine Frau vor, doch einmal ein Buch zu schreiben. Also setzte er sich hin und heraus kam der wunderbare Roman Flammenwüste, in dem der junge Geschichtenerzähler Anûr viele Abenteuer in einer orientalisch anmutenden Welt erleben darf. Dabei spielen Drachen eine nicht ganz unwesentliche Rolle! ;)
Akram El-Bahays Affinität zu den Geschichten aus 1001 Nacht kommen nicht von ungefähr: Als Sohn eines Ägypters und einer Deutschen ist er mit den Geschichten aus beiden Kulturen aufgewachsen und auch der Einfluss eines seiner Lieblingsautoren, J.R.R. Tolkien, ist in seinem Buch nicht zu überlesen. Auf der Leipziger Buchmesse 2015 gewann er den Seraphpreis für das beste Debüt der deutschsprachigen Phantastik-Literatur. Im Interview spreche ich mit ihm über die Inspiration für sein erstes Buch und frage viel nach dem Folgeroman.


Wie war dein persönlicher Werdegang nach deinem Biologiestudium? Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe nach dem Studium ein Volontariat gemacht und anschließend als Journalist gearbeitet. Nebenbei entstand dann der Wunsch zum Schreiben.

Ich habe in anderen Interviews gelesen, dass deine Frau zu dir gesagt hat, du sollst es einfach mal versuchen mit dem Schreiben. Hattest du denn zu dem Zeitpunkt schon eine Grundidee für ein Buch? Warum hat sie gesagt: "Schreib doch mal!"?
Der Grund war ganz einfach: Zum damaligen Zeitpunkt habe ich im Volontariat nicht so viel schreiben können, wie ich das wollte. Und dann meinte sie: "Schreib doch einen Roman, dann hast du was für dich selbst." Daraus ist dann die Idee überhaupt geboren, etwas Fiktives zu schreiben. Ich hab dann erstmal eine zeitlang gar nichts gemacht, aber so nach und nach entwickelte sich die Geschichte und ich hab langsam angefangen zu schreiben. Das hat sich dann irgendwann verselbstständigt und der Gedanke kam: "So, jetzt mach ich das auch richtig." Und dann hab ich richtig geschrieben.

Und warum hast du dann als Biologe einen Fantasyroman geschrieben und nicht z.B. einen Thriller mit abgefahrenen biologischen Kampfstoffen oder etwas in der Richtung?
Ja, ich habe mir überlegt, ich muss ja auf jeden Fall etwas schreiben, was ich auch selber gerne lese. Ich lese irre gerne Fantasy, also Fantastisches und Märchen. In diese Richtung sollte es gehen... Wegen meines Vaters, der aus Ägypten kam, wollte ich gern etwas mit orientalischen Motiven machen. So hat sich die Geschichte so langsam zusammengesetzt.

Hast du denn zu Beginn deiner Schriftstellerei auch Kurse belegt? Oder wie hast du angefangen? Hast du dir Skizzen von deinen Figuren gemacht-egal ob jetzt schriftlich oder zeichnerisch? Du hast ja doch auch einige Völker dir komplett selbst erdacht. Wie war deine Herangehensweise?
Eigentlich bin ich da gar nicht so besonders systematisch herangegangen.  Also zum Schreiben selbst, Dialoge aufbauen, etc. da habe ich vorher versucht, sehr aufmerksam zu lesen. Ich hab einfach geschaut, wie machen das die anderen, die ich gut finde. Was mir persönlich dabei sehr geholfen hat, war das Ganze als Hörbuch zu hören, einfach um Texte bzw. Dialoge auch mit Sprachmelodie zu erfassen. Ich höre z.B. gern Cornelia Funke. Ihre Bücher werden von Rainer Strecker gelesen, einem Schauspieler. Er macht das ganz fantastisch und dann kommt man einfach in so einen Sprachfluss hinein. Man übernimmt dadurch zum Teil auch den Rhythmus, das ist eben immer ganz wichtig. Die Skizzen der Figuren, die habe ich alle im Kopf- malen kann ich sowieso nicht (lacht), aber auch schriftliche Skizzen brauchte ich dafür nicht. Die Figuren sind mittlerweile auch einfach in mir drin. In den ersten Entwürfen war das noch nicht immer kohärent, da musste ich schon nochmal anpassen. Aber dann hatten die einzelnen Völker und Figuren irgendwann eigene Charaktere und so kam das von ganz allein.

Als Leser, Leseverrückte und auch als Fan von "Die Stadt der träumenden Bücher" finde ich die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher in Flammenwüste genial. Erzähl mir darüber nochmal etwas mehr, wie kamst du darauf? Was hat dich inspiriert?
Die Idee für die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher war tatsächlich eine Idee, die ganz ganz unromantisch geboren wurde.... und zwar in der Mathevorlesung im Studium. 1. Semester im Biologiestudium: Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung - da ging es eben um die Frage, welche Ereignisse zusammen kommen können und welche Kombinationsmöglichkeiten es gibt. Und irgendwie kam ich auf die Idee, wenn man alles miteinander mischt- alle möglichen Worte, kriegt man ja sehr viel Unsinn, aber eben auch alle Sachen, die Sinn ergeben. Wenn man also beispielsweise an Romane denkt mit, sagen wir 500 Seiten, dann wäre wohl das meiste totaler Quatsch. Aber unter den ganzen sinnlosen Texten würde man auch eben auch alle Bücher finden, die schon geschrieben wurden oder noch geschrieben werden. Und dann dachte ich mir, dass will ich etwas märchenhafter, etwas romantischer darstellen. So enstand die Idee der Bibliothek der ungeschriebenen Bücher, in der alle Romane und Geschichten quasi in Potentia schon vorhanden sind, aber wir immer jemanden brauchen, der sie schreibt. So als wären sie in der Realität schon da, aber sie warten darauf, dass sie jemand ruft. Das finde ich einfach eine nette Vorstellung. 

Einfach eine geniale Idee! Wie gerne würde man dort stöbern gehen! Wie weit bist du denn mit deinem zweiten Roman? Du wolltest bis Weihnachten 2014 das Manuskript fertig haben?
Genau! Das ist auch soweit fertig und auch schon lektoriert worden und ich habe jetzt noch 250 Seiten vor mir, die ich jetzt recht zackig überarbeiten muss und dann kommt nochmal so ein kleiner Korrekturlauf mit dem sprachlichen Feinschliff und dann werden wahrscheinlich noch ein paar kleine Logiklöcher aufgedeckt und ja, dann geht es in den Druck. Am 10.9. soll Flammenwüste - Der Gefährte des Drachen erscheinen!

Als was hast du die Reihe angelegt? Als Trilogie? 
Ja, es könnte noch ein dritter Teil folgen, aber erstmal mache ich den zweiten Teil fertig! (lacht)

Erfährt man denn noch ein bisschen mehr über die Hintergründe des Gegenspielers Sarraka? Warum ist er so böse? Ist etwas in seiner Vergangenheit passiert?
Ja, man erfährt ein bisschen mehr über seine Figur. Es ist immer sehr wichtig bei diesen Nori, diesen Drachenwächtern, dass sie eine besondere Verbindung zu den Drachen haben. Und es geht im zweiten Band auch ein wenig mehr um diesen einen Drachen, der Sarraka mitprägte. Man erfährt dadurch mehr über die Hintergründe dieser Figur. 

Warum hast du Anûr als sehr jungen Helden ausgedacht?
Ich hab mir einfach gedacht, dadurch dass er selbst noch komplett entwicklungsfähig ist, bietet er die Möglichkeit für den Leser mit ihm gemeinsam in die Welt hineinzugehen. Wenn er jetzt schon so 30-40 wäre und ziemlich erfahren, dann wäre es vielleicht etwas schwerer, in die Geschichte und die ja doch fremde Welt einzutauchen. 

Quasi die Figur vom Prinzen?
Ja, genau! Der wäre als "Hauptheld" vielleicht schon ein bisschen tougher gewesen, aber Anûr geht einfach noch mit diesen staunenden Augen durch die Welt und nachher wird er immer vertrauter mit allem. Dem Leser geht es vermutlich ähnlich und er findet sich dadurch gut wieder. Außerdem dachte ich mir, dass Anûr ja so der klassische Held ist, der erst so ein bisschen unbedarft ist und dann entwickelt er sich. Wenn er schon "fertig" gewesen wäre, hätte er sich ja auch gar nicht weiter entfalten können. So passte das für mich einfach gut.

Du hast in einem Interview gesagt, du hast auch noch andere Idee für weitere Geschichten. In welche Richtung gehen die? Ist das auch Fantasy oder was ganz anderes?
Meine Ideen sind schon alle im Bereich der märchenhaften Erzählungen und weil es gut zu mir passt, versuche ich immer so ein bisschen Orient mit einfließen zu lassen. Die anderen Ideen sind zwar nicht so sehr "wüstenlastig", aber mein Hintergrund spielt da schon immer mit rein. Die Geschichten sind jedoch auch ganz unterschiedlich. Ich hab schon mal ein paar Seiten geschrieben, aber ich bin noch gar nicht so weit, dass es ein Manuskript oder so was ist, geschweige, dass ich es einem Verlag vorgelegt habe. Da gehe ich auch einfach ganz langsam an die Sachen heran.


Vielen Dank lieber Akram für dieses tolle Interview und ich kann es kaum erwarten, dein zweites Buch in den Händen zu halten. Ich hoffe auch ihr, liebe Leser, habt einen kleinen Eindruck bekommen und seid vielleicht neugierig auf Akrams erstes Buch Flammenwüste geworden. Als
Vorgeschichte und zum Reinschnuppern in die Wüstenwelt und den Stil des Autors, empfehle ich euch auf jeden Fall Flammenwüste- Das Geheimnis der goldenen Stadt, das es schon für 1,49 € zu schnäppen gibt!

https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/autoren/akram-el-bahay/id_2758481

Kommentare:

  1. Ein tolles und wirklich interessantes Interview! Ich denke, nun muss ich mir Flammenwüste doch wirklich einmal ansehen. Und wie passend, dann greife ich zuerst zur Kurzgeschichte :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schön, dass ich sogar dich neugierig machen konnte, obwohl es eigentlich gar nicht dein bevorzugtes Genre ist. :)
      Liebste Grüße!

      Löschen